Eisjöchl – 2900 m.ü.M. mit dem Mountainbike

DAV-Mountainbike-Mehrtagesausflug ins Vinschgau mit vielen Highlights

Die Sektion Tittmoning mit seinen „Bergbeissern“ hatte, neben vielen anderen Aktivitäten, auch wieder einen Mehrtagesausflug für die Mountainbiker eingeplant. Nach witterungsbedingter Verschiebung des Termins war es nun vom 12.-15. August doch wettermäßig stabil genug und von Naturns aus wurden unter der fachkundigen Leitung von Ulrich Dankerl Tagestouren in die herrlichen Südtiroler Berge gestartet.

Ausgangsort war der Campingplatz in Naturns und täglich gab es neue Wege und Ziele in fast allen Himmelsrichtungen.

Gleich nach der Ankunft in Naturns am Freitag Vormittag sattelten Iris Dankerl, Max Nirschl, Thomas Ultsch, Konstantin S…… und Ulrich Dankerl (Tourenleitung) sofort die Mountainbikes und es ging bei herrlichem Sonnenschein und warmen Temperaturen gleich bergauf zur Naturnser Alm. Zunächst auf steiler Teerstrasse schlängelte sich die Tour durch die Apfelplantagen bergauf und die kurzen Wassergüsse der Dauersprinkleranlagen waren willkommene Abkühlungen (Anmerkung: Die Jahresproduktion an Äpfeln des Vinschgau reicht aneinandergereiht bis zum Mond.). Bald schon wechselte der Strassenuntergrund und die Reifen bekamen endlich Schotter unter die Stollen. Schnell gewann man an Höhe und konnte immer wieder bei der Auffahrt unvergessliche Ausblicke ins Vinschgau und auf die Texelgruppe genießen. Nach gut 2 Stunden Auffahrt und knapp 1400hm bergauf war die NaturnserAlm erreicht.

Blick ins Schnalstalaturnser Tal


Die gemütliche Alm mit hervorragender bodenständiger Küche war somit der richtige Zwischenstopp um ein bisschen zu Verweilen und die leeren Kohlehydrat-Speicher im Körper mit Speckknödeln, Apfelstrudeln und Getränken wieder aufzufüllen. Dazu lachte die Sonne und so gestärkt ging es in die Abfahrt. Zunächst kurz auf Schotter dann aber gleich in den sehnlichst erwartenden Downhill-Trial.

Anders als in anderen Gebieten ist hier das Fahren auf Wanderwegen sogar ausdrücklich erwünscht. Wir trafen nur gutgelaunte Wanderer und hatten immer viel Spaß mit den Fußgängern, die kaum glauben konnten, dass man da noch fahren kann. Ein gutes Beispiel, dass bei gegenseitiger Rücksichtnahme niemand belästigt und behindert wird und auch die Natur geschont bleibt !!

Bergauf zur Rableitalm

Flach fiel der Weg bergab und war somit der richtige Einstieg um warm zu werden. Schnell stieg der technische Anspruch und Steine, Wurzeln und Stufen ließen das Bikerherz höherschlagen. Die letzten Höhenmeter bergab wurden auf Asphalt schnell abgespult und der Radwanderweg Vinschgau brachte uns wieder zum Ausgangspunkt zurück. 1480hm und 38km waren dabei zurückgelegt worden.

Am Samstag ging es morgens um 7:00 Uhr los. Das Highlight Eisjöchl 2895 m.ü.M. stand auf dem Programm. Nach der Ortsdurchfahrt Naturns bog man ins Schnalstal ein und gewann schnell auf der alten Talstraße ohne Autoverkehr an Höhe. Die Sonne strahlte die Burg Juval an, der Wohnsitz von Reinhold Messner und noch motivierter lagen die Ketten rechts.

Die Burg Juval im Schnalstal

Kurz nach Katharinaberg bogen wir ins Pfossental ab und die Steigung auf der Strasse stieg deutlich an. Nach der Rableithütte verlässt uns nun auch der letzte Verkehr und wir radeln unserem Ziel Eisjöchl auf einem mit vielen Rampen gespickten Weg entgegen. Nach der Alm Eishöfe 2071 m.ü.M. wird der Weg bald sehr anspruchsvoll. Der schmale Pfad mit engsten Kehren, Steinen und Absätzen fordert den ganzen Mountainbiker und Mountainbikerin. 800 hm müssen auf diese Weise bewältigt werden. Der Pulsschlag schnellt in die Höhe und die Oberschenkel beginnen zu brennen. Immer wieder zwingt einen der Untergrund oder die fehlende Fahrtechnik zu kurzen Schiebepassagen. Letztendlich fährt ab 2700 m.ü.M. keiner mehr der Gruppe. Die Luft ist dünn und die Beine sind schwer.

            
Blick vom Pfossental zum Eisjöchl Blick ins Pfossental



Die letzten Meter zum Eisjöchl müssen die Bikes getragen werden. Alle sind angekommen. Das Eisjöchl 2795 m.ü.M.. Der Ausblick entschädigt für die Anstrengung. Im Hintergrund sieht man den Schnalstaler Gletscher. Der Blick zurück ins Pfossental ist beeindruckend und die Höhenmeter werden nun noch mal so richtig erkennbar. Der Blick voraus ist zunächst sehr kurz, denn er reicht für uns nur bis zur Stettiner Hütte, ca. 200m entfernt, denn jeder will nur noch zwei Dinge: Essen und Wärme. 13°C und aufziehende Wolken mit Wind lassen auch alle nicht lange am Jöchl verweilen.

             
         Höhepunkt der MTB-Touren am Eisjöchl auf 2.795 Metern.

Bei Kartoffelröster mit Spiegelei und Speck kehren die Lebensgeister schnell zurück. Frisch gestärkt, gehen wir die Abfahrt Richtung Pfelderertal an. Nun beginnt ein Trial der Extraklasse. Verblockt mit grossen Steinen, querliegenden,scharf-kantigen Steinplatten als Wasserrinnen, Stufen und unzähligen engen Kehren geht es nun ca. 1000 Höhenmeter bergab.

Abfahrt


Zunächst noch fahrbar wird im Mittelteil die Fahrt aus Sicherheitsgründen von der Tourenleitung gestoppt und die Teilnehmer zum Schieben veranlasst. Hier würde ein Fahrfehler mit einem Sturz schwerwiegende Folgen haben. Doch das Stück ist schnell überwunden und die folgenden Höhenmeter werden technisch schwierig mit den Bikes „abgesurft“. Kurz vor Ende des Trials schon in Sichtweite der Forststrasse stoppt ein „Snakebite“ mit folgendem Plattfuss die Gruppe. Der erste und einzige in den ganzen Tagen. Schnell wird gemeinsam der Schlauch gewechselt und es geht weiter bergab.

"Snake-Bite"

Erste Regentropfen werden in Pfelders spürbar, die lange zeitraubende Abfahrt, sowie die Reparatur und die Uhrzeit 16:00 Uhr lassen einen „Kuchen-Stopp“ wenig sinnvoll erscheinen. Somit wandern die Ketten nach rechts und es geht in rasantem Tempo bergab nach St. Leondardt. Dabei wird einem erst so richtig bewusst, wie viele Höhenmeter man zuvor bergauf gefahren war. Die Gruppe fliegt nun förmlich durch das Passeiertal Richtung Meran, denn nun hat der Regen voll eingesetzt. Bei 25°C ist es angenehm und spült uns den Staub von den Beinen. In Meran kommen wir schon wieder trocken an und tasten uns durch die Innenstadt bis wir auf den Radweg nach Naturns stossen. Nun stehen noch mal etwa 250 Höhenmeter bergauf an. Das schmerzt noch mal nach so einer langen Fahrt. Die steile Rampe von Meran aus wird überwunden und nun rollt man auf dem Radwanderweg nach Naturns. Kurz vor 18:30 Uhr sind wir wieder am Ausgangspunkt angekommen. 2733 Höhenmeter bergauf und 96 km liegen hinter uns. Im Hintergrund hören wir bereits den Soundcheck der „Südtiroler Spitzbuam“, die ab 19:30 Uhr am Festplatz aufspielen werden. Kurz darauf sind wir auch dort, lassen es uns bei Südtiroler Köstlichkeiten gut gehen und den Tag ausklingen.

Blick ins Pfeldertal

Sonntag 09.30. Alle sitzen wieder im Sattel und es geht leicht ansteigend Richtung Latsch. Ziel ist die TarscherAlm. Auf dem Vinschgauer Radwanderweg fahren wir die Beine locker ein. Es bleibt viel Zeit um nochmals über die gestrige Tour zu plaudern. Nach dem Ortskern Latsch geht es steiler bergauf und auf holprigen und steinigen Untergrund windet sich der Weg nach oben. Schnell liegen die Apfelplantagen wieder hinter uns und wir klettern zügig nach oben. Die Sonne lacht wieder und wir erreichen Töbrunn. Danach fordern noch einige steile Rampen mit anspruchsvollem Untergrund noch mal die Konzentration und die Beine. Die TarscherAlm schon fest im Blick tritt jeder noch mal flott in die Pedale. Bei einer zünftigen Brotzeit auf der Alm stärken sich alle für die Abfahrt. Die Rüttelpiste die nun folgt, benötigt auch die wiedergewonnene Energie. Im Tal angekommen wandern die Ketten wieder rechts und wir versuchen durch den „Belgischen Kreisel“ beschleunigt dem nahenden Gewitter zu entkommen. Kurz vor Naturns gewinnt das Gewitter dieses Wettrennen. 1604 hm und 59 km endeten leider etwas nass. Nachdem der letzte Regentropfen nach kurzer Wartezeit gefallen war, besuchten wir das Weingut Falkenstein mit vielen kulinarischen Köstlichkeiten.

Am Montag ließ der hereinbrechende Föhnsturm aus Sicherheitsgründen keine Tour mehr zu. So ließen die Mountainbiker die Reise bei Prosecco und Cappuchino in einem Naturnser Cafe` in bester Stimmung ausklingen, denn tolle Touren lagen hinter ihnen und jeder hatte die Touren ohne Probleme bewältigt. 

Bericht und Bilder Ulrich Dankerl
Web-Bearbeitung Harald Hüwel 
 

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