Mountainbiken wo es kaum einer kennt.

Mehrtagesausflug der Alpenvereinssektion Tittmoning zum südlichen Gardasee.  

Mountainbiken bei Bardolino am südlichen Gardasee? Geht das? Da gibt es doch gar
keinen „Moser-Guide“, dann kann man da auch nicht biken! Schön, dass viele so
denken und daher ist das Gebiet am südlichen Monte Baldo Massiv noch nicht überlaufen.

Unter der Leitung und Guiding von Ulrich Dankerl hatten somit 11 Teilnehmer der
Bergbeisser der Alpenvereinssektion Tittmoning vier sehr schöne Tage vom 30. September
bis 03. Oktober am Lago di Garda mit anspruchsvollen Touren und kulinarischen Genüssen
am Abend.

Am Sonntag Morgen zeigte sich der Gardasee noch eher von seiner unschönen Seite.
Leichter Nieselregen und Schneezucker über 1800 m.ü.M.. Die Wolken begannen gerade
etwas auf die Stimmung der Teilnehmer zu drücken, als der Cappuccino von der Kellnerin
gebracht wurde und die Heiterkeit der Teilnehmer, an der Strandpromende im Cafe´ sitzend,
gleich wiederkehrte. Gerade als der letzte Schluck getrunken war, machten die Wolken auf
und die Sonne spitzelte hindurch.  Man glaubt es kaum wie schnell alles bezahlt war, der
Toilettengang abgeschlossen war und alle auf den Mountainbikes saßen. Ungeduldig scharrte
man mit den Hufen und jeder wollte los.

„Auf geht´s“ schallte es vom Guide Ulrich Dankerl und die Gruppe rollte Anfangs noch an
der Promenade etwas entlang, bevor es mit moderater Steigung auf Nebenstrassen durch
Garda bergauf ging. Am Rande von Garda folgte gleich der erste Schotteranstieg durch ein
enges Tal. Die Gespräche verstummten und machten dem gleichmäßigen Atmen platz. Nach
kurzem Flachstück ging es über verwirrende Trials und Wegelein immer abseits der Strassen
Richtung Luppia.  Knackige Rampen mit schwierigen Untergrund wechselten sich mit
flüssig-fahrbaren schmalen Wegen ab. Plötzlich tauchten die Teilnehmer aus dem Gewirr an
Wegen an einem steilen Felsvorsprung aus dem Wald auf. Ein phantastischer Ausblick auf den
südlichen Gardasee bis Sirmione tat sich auf. Manfred Becker, der gerade auf dem technischen
Trial an diese Stelle kam, überraschte, noch leicht desorientiert, gleich mal mit der Frage:
„ Was is des für a See? Muaß ma des Wassa kenna? Ha Alois?“ Nach dem Abflauen des
allgemeinen Gelächters folgte die Erklärung.
So aufgemuntert ging es am Rande Monte Luppia
bis nach Torre del Benacco auf einem schwierigen Gardasee-Trial bergab. Immer wieder öffneten
sich Panoramablicke von beeindruckender Schönheit. Schwitzend kam man unten an, denn der
Pulsschlag hatte fast die Ausmaße der Auffahrt erreicht. Gardaseetrials sind super, aber
anspruchsvoll.

Nach diesem ersten Highlight kehrte man ein und wir ließen uns auf einer sonnenüberfluteten
Terrasse oberhalb von Torri mit Seeblick nieder. Nach Bigoli´und weiteren landestypischen
Leckerbissen ging es zunächst etwas flacher weiter bis der „Entsafter“ auf uns wartete.
Dieser Mountainbike-Scharfrichter geht etwa 450hm direkt in Falllinie hoch nach
St. Zeno di Montagna. Fast ohne Flachstück mit einer Steigung zwischen 25 -31% schnauften
sich alle nach oben. Noch ein kurzer Stich in St. Zeno und der nächste Trial bergab tat sich
unvermittelt auf. Rüttelig und steinig zeigte sich der Pfad, vom Regen noch aufgeweicht, recht
tückisch. „Der Gardasee ist doch anders als bei uns die Wege sind…schön das es so was gibt“,
meinte Norbert Knurr.

Noch berauscht von der Abfahrt sauste man zurück zum Ausgangspunkt und machte sich
startklar für die zweite Herausforderung des Tages: Das Weinfest mit Feuerwerk in Bardolino.
Darüber breiten wir den Mantel des Schweigens. Nur soviel, es wurde eine lange Nacht.  

Am nächsten Morgen weckte die Sonne alle auf und los ging es. Im ersten leichten Antsieg
schwitzte man die nächtlichen Nachwehen raus. Über versteckte Pfade und immer steiler
werdender Auffahrt mit echten Rampen am Schluß ging es von Südosten das MonteBaldo-Massiv
hinauf. Oben überwältigte die Aussicht bis nach Verona alle. Die Höhenstrasse verlief weiter
parallel zu den Höhenlinien und folglich wechselte die Aussicht nun Richtung Südwesten und
der südliche Gardasee lag uns zu Füssen. Auf ca. 1300 m.ü.M. hatte man eine unschlagbares
Panorama bei herrlichstem Sonnenschein. Da schlug das Bikerherz noch mal höher als kurz
zuvor noch in der steilen Auffahrt.

Noch völlig hinundweg von diesen Eindrücken rastete man in einem netten Ristorante am
Wegesrand. „Echt super, das ist echt beeindruckend“, meint Franz Röckenwagner. „So schön
hatte ich es mir nicht erwartet, einfach super“ fügte Karin Geierstanger hinzu.

Mit neuer Energie ging es dann in den nächsten Downhill-Trial von echtem Gardasee-Kaliber.
Kaum war dieser zu Ende kam nach kurzer Flachpassage schon der nächste Trial bergab und
zurück am Ausgangspunkt war so mancher etwas „Flügellahm“.

Kulinarisch wurde der Abend in einem Ristorante im Hinterland bei angenehmen Temperaturen
auf der Terrasse begangen und bei landestypischen Speisen und Getränken besprach man die
Tageserlebnisse noch lebhaft.

Am Dienstag stand eine echte Gipfelauffahrt auf dem Programm. Zunächst technisch einfach,
aber konditionell fordernd, ging es über St.Zeno und Prada Richtung Mt.Telegrafo. Die letzten
gut 550 Höhenmeter gingen über eine brutale Rüttelstrecke bergauf. Da verstummten die
Gespräche schlagartig. Eine Stimme aus einer anderen, noch unschlüssig am Anfang wartenden,
Bikergruppe rief: „Da geht es rauf? Bist Du sicher?“ „Klar !“, war die Antwort vom Bergbeisser
Guide Uli Dankerl. Für mehr war aber keine Zeit denn Untergrund und Bike verlangten die ganze
Aufmerksamkeit. Die Anstrengung wurde aber bald belohnt. Solch eine Aussicht während einer
Auffahrt hat man nur selten auf einer Mountainbikestrecke. Hoch über dem Lago wollte das
unbeschreibliche Panorama kaum enden. Am Refugio auf über 1800m.ü.M. wartete dann zum
Panorama noch eine deftige Brotzeit und alle saßen im Gras ließen sich die Sonne auf´s Gesicht
scheinen. „Das ist ein Ausblick,“ schwärmte Alois Herzig, „da muß ich wieder her!“ Da muß man
nichts mehr hinzufügen. Bergab schüttelte die Rüttelpiste alle Knochen noch mal richtig durch.
Nach kurzem Halt bei einem Cappuccino in der Spätnachmittagssonne wurden die Knochen wieder
sortiert und mit frischer Energie ging es in den Abschlußtrial dieser Tour. Nochmal mit ganzer
Konzentration schwebte man den gardaseetypischen, steinigen und schottrigen Pfad hinunter.
Mit leicht zitternden Händen und strahlenden Augen kamen alle wieder am See an. Bei Pizza und
Vino klang der Tag genüsslich aus.

Der Heimreisetag am Mittwoch wurde noch mal zum Biken genutzt. Auf einer kleineren Tour mit
verschlungenen Trials und versteckten Pfaden ging es hoch über dem Gardasee Richtung Crero.
Fast schon satt an der Vielzahl der Panoramen der vergangen Tage waren heute wieder mehr
Trials angesagt. Rauf und runter auf technisch-schwierigen Untergrund stellten andere
Anforderungen an Bike und Rider und ließen den Schweiß fliessen. Immer wieder war der Spruch
von Uli Dankerl zu hören: „Einen hab ich noch!“ gemeint war ein weiterer Trial, ein weiterer Pfad
oder ein weiteres verstecktes Wegelein. Schließlich endete alles am LaRocca hoch über Garda
und Bardolino. Dieser letzte herrliche Aussichtspunkt mit dem Sonnenpanorama bildete den
krönenden Abschluß dieser Mountainbiketage am Lago di Garda.

In den vier Tagen Soul-Biking, Mountainbiken auch für die Biker-Seele, wurden etwa
6000 Höhenmeter und fast 220km unter die Stollen genommen. Aber nicht nur für die sportliche
Seite war gesorgt, sondern die landestypischen Gerichte und Getränke rundeten das sehr
positive Bild dieser vier Tage ab.

Bericht und Bilder ???  Ulrich Dankerl