Bereits die Anfahrt nach Slowenien über den Predilepass war ein Erlebnis. Mitten durch die Julischen Alpen führt die kurvige Straße vorbei an markanten Berggipfeln, weiten Flußtälern, engen Schluchten und tosenden Bächen und Wasserfällen. Gleich nach der Ankunft nahmen wir die „Stol-Nord"-Tour aus dem hervorragenden Bikeführer von Peter Immich und Michael Kemmler in Angriff – im wahrsten Sinne des Wortes, den der Großteil der Tour spielt sich auf alten Militärstraßen ab, die für die „Izonzo-Schlachten" im 1. Weltkrieg angelegt wurden und heute vielerorten im Soccatal als Wege für uns Mountainbiker bestens geeignet sind. Gleich nach der Ankunft wurden die Räder ausgepackt und direkt von unserem schönen Campingplatz „Lazar" aus radelten wir uns an der türkisblauen Socca entlang auf einer etwas ruppigen Almstraße gleich so richtig ein.Tolle Ausblicke in die julischen Alpen eröffneten sich uns am sonnigen Bergsattel und vor allem auf dem Gipfel des 1.673 m hohen Kobariski Stol, den wir fahrend, schiebend und tragend bezwangen. Die Abfahrt auf dem langgestreckten Bergrücken durch die idylisschen Schafweiden am Bivak Hlek ermöglichte uns sehenswerte Tiefblicke ins Nadizatal und auch ins Soccatal. Die Trailabfahrt nach Staro Selo hinunter war vor allem im mittleren Teil ziemlich zugewachsen und auch wegen der lockeren Steinbrocken auf dem Weg phasenweise nur schiebend zu bewältigen.
Gleich zu Beginn unserer zweiten Tour zum Monte Joanaz (1.133 m) konnten wir die alte Napoleonbrücke über die Nadiza bewundern. Von einer der wenigen Einkehrmöglichkeiten machten wir dann gleich Gebrauch: Im liebevoll gestalteten Cafe „Izletniska Kmetija" im kleinen Dörfchen Robidisce nahe der italienischen Grenze wurden wir sehr freundlich und zuvorkommend bedient. Anschließend umrundeten wir auf eine alten Militärstraße den Berg und radelten auf einem aussichtsreichen Rücken zum Gipfel, der allerdings gar nicht so leicht zu finden war. Der höchste Punkt lag vermutlich irgendwo im Wald, vor dem der Weg endete. Kurzerhand ließen wir uns in einer gemütlichen Wiese nieder, die eine schöne Rundumsicht unter anderem auch zum Matajur, dem Ziel am nächsten Tag, bot. Bei der folgenden Trailabfahrt gings dann gleich ordentlich zur zur Sache. Neben den fahrtechnischen Herausforderungen war auch die Wegfindung auf dem gänzlich unmarkierten Waldpfad eine Herausforderung, die nur mit GPS zu bewältigen ist. Bei der Rückfahrt nach Kobarid zogen wir dann den schönen und abwechslungsreichen Weg an der Nadiza entlang der Asphaltstraße vor.
Als Höhepunkt unseres viertägigen MTB-Wochenendes in Slowenien kann sicherlich die Tour zum 1.642 m hohen Grenzgipfel zwischen Slowenien und Italien, dem Matajur bezeichnet werden. Der längeren und anfangs sehr schweißtreibenden Asphaltauffahrt über Livek folgte ein angenehmere Forststraßenauffahrt und ein schöner Gipfeltrail, dem bei der Abfahrt von unseren Genußradlerinnen das Prädikat „besonders flowig" verliehen wurde. Die Rast an einer gemütlichen Almhütte nutzte unser technisch versierter Bastler Markus, um den abhanden gekommenen Bremsbacken von Heiner zu ersetzen – wahrscheinlich der erste hölzerne Bremsbacken an einem Mountainkibe überhaupt und er hielt!!! sogar auch die Tour am nächsten Tag durch. Nachdem uns die Einkehr am Rifugio „Dom na Matajure" kurz unterhalb des Gipfels versagt blieb, weil die Hütte geschlossen hatte, machten wir uns nach einer Auffahrt zur schönen Gipfelkapelle bald wieder auf dem besagten, flowigen Trail auf den Weg ins Tal. Der abenteuerliche Trail von Livek hinunter nach Idrosik konnte uns leider nur im oberen Teil Fahrspaß bieten. Mehr und mehr wurde die Abfahrt auf der auch von Motocrossfahreren genutzten Piste nach den Regenschauern der vergangenen Nacht zu einer wahren Schlammschlacht, die seine Spuren an Fahrern und Gerät hinterließ. Nach der obligatorischen Einkehr in unserem netten Cafe am zentralen Platz in Kobarid unternahmen wir direkt vom Campingplatz aus zur Auflockerung der müden Radlerbeine noch eine empfehlenswerte Wanderung zum Wasserfall Slap Kosjak, der tosend in eine finstere Schlucht fällt.
Am Campingplatz gabs dann wie jeden Abend Dank unserem Meisterkoch Erik unser seiner fleißigen Helfer reichhaltige Grillgerichte mit Fisch oder mit verschiedenen Fleischsorten – eine willkommene Stärkung für den nächsten Tourentag.
Passend für den Abschlusstag hatten wir uns die etwas kürzere Tour zur Kapela Bes ausgesucht, einer einsamen Bergkapelle, die aussichtsreich auf einem Bergrücken steht und mit Ihrer ungewöhnlichen Fassade gestaltet aus Granaten und Gewehren an den 1. Weltkrieg erinnert. Die Kapelle wird, wie viele andere Denkmäler aus dieser Zeit von der Stiftung „Wege des Friedens im Socatal" renoviert und instandgehalten. Begonnen hatte die Tour mit einer steilen aber landschaftlich schönen Asphaltauffahrt. Die gemütliche Hütte Planina Kuhinja nutzten wir dann auch gleich für eine Einkehr. Die hochinteressante Trailabfahrt war leider durch das beginnende Gewitter an manchen Stellen nass und rutschig, vor allem die ersten Passagen waren nur schiebend zu bewältigen.
Als Fazit unserer Tourenwochenende kann ich sagen, dass es wieder mal mächtig Spaß gemacht hat, mit unserer supernetten und gut harmonierenden MTB-Gruppe unterwegs zu sein. Das Soccatal mit seinen ruppigen Militärpisten und seiner unglaubich wilden und vielseitigen Landschaft hat sich als wahrer Geheimtipp erwiesen. Vor allem die meist gut fahrbaren Trails, die allerdings einigermaßen trocken sein sollten, sind für mich ein gutes Argument, mal wieder ein MTB-Wochenende in den julischen Alpen zu verbringen.
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