Skihochtouren-Abschluss im Vinschgau

5 Tage im Matschertal, einem Seitental des oberen Etschtals, bildeten dieses Jahr den Abschluss der Skihochtouren-Saison für die DAV-Sektion Tittmoning. Die 12 Teilnehmer unter der Leitung von Skihochtourenführer Hans Gschirr nutzten bei strahlendem Wetter die Ostertage aus, um in den südlichen Ötztaler Alpen die schönsten Berge, u.a. auch den dritthöchsten Berg Österreichs, die Weißkugel, zu besteigen.

Bereits bei der Anfahrt über den Reschenpass wurde in Passhöhe ein Ziel in der Sesvennagruppe angesteuert. Der auf 1900 m gelegene Ausgangspunkt bei den Schönebenliften machte es möglich, dass wir sofort mit den Skiern am Auto losgehen konnten. Nach 1000 Höhenmeter und gut 2 Stunden standen wir auf dem Grionkopf, einem Gipfel im Grenzkamm zur Schweiz. Der frühe Aufbruch zu dieser Tour machte sich bei der Abfahrt bezahlt. Denn trotz strahlend blauem Himmel und deutlichen Plusgraden konnten wir im feinen Firn und nicht im Sulz abfahren.

Über eine 15 km lange, teils enge Straße, die kurz nach Mals von der Straße durch den Vinschgau abzweigt, erreichten wir nachmittags den Glieshof, unseren Stützpunkt für die nächsten Tage. Dieses Hotel ist ganz auf Skitourengeher einschließlich einer Saunalandschaft zum Entspannen nach der Tour eingerichtet.

Der nächste Tag: wieder strahlend blauer Himmel. Gleich auf der Hotelterrasse begann unser Aufstieg zum Upiakopf, einem Dreitausender ohne Gletscherberührung. Die Sonne war wieder gnädig und verwandelte die beim Aufstieg bockharte Gipfelflanke in traumhaften Firn, der bei richtiger Wahl der Hangneigungen und Hangausrichtungen bis vor den Hoteleingang anhielt.

Nun sollte es aber einmal eine richtig knackige Tour werden. Mit der Weißkugel versprach uns unser Tourenleiter damit nicht zu viel. Zuerst eine halbe Stunde die Ski tragen, dann drei Stunden flach auf hartem Schnee immer Richtung Norden, bis bei 2800 m der Gletscher erreicht wurde. Beim Anlegen des Klettergurts wieder wie üblich strahlend blauer Himmel. Kurz vor den Quellspitzen legte sich eine Wolke auf den Gletscher. Ab 3500 m war dichter Nebel angesagt, die Steilflanke zum Gipfelgrat nur noch schemenhaft zu erkennen. Der Felsgrat zum 3738 m hohen Gipfel verlangte Steigeisen bzw. Seilsicherung. Am Gipfelkreuz nur kurz ein Beweisfoto, dass wir oben waren und dann nichts wie abfahren! Teilweise war die Sicht so stark eingeschränkt, dass für die Orientierung das GPS-Gerät, das den Anstieg aufgezeichnet hat, Verwendung finden musste. Zu leicht würde den falschen Aufstiegsspuren nachgefahren werden oder es verschwände gar einer in einer Gletscherspalte. Wie zum Spott lugte weiter unten wieder die Sonne aus den Wolken und der Gipfel zeigte sich in voller Pracht. Aber nach 16 km und 2160 Höhenmeter Aufstieg waren wir doch froh, dass wieder alle heil aus der Nebelsuppe rausgekommen sind.

Ziel unseres Tourenleiters war es, immer den besten Schnee für die Abfahrt zu finden. Und dies gelang ihm beim letzten Ziel im Matschertal in Vollendung. Während des Anstiegs über südostseitige apere Wege und steilen Wald wurden zunächst deutliche Zweifel an dem Ziel Pleresspitze geäußert. Während später ab dem Skidepot andere Tourengeher ihre Ski am Felsgrat zurückließen, nahmen wir sie über den Gipfel zur anderen Seite mit, um von dort in einer nicht enden wollenden einsamen und zum Teil steilen 1000-Höhenmeter-Firnabfahrt ins hinterste Matschertal den Gipfelanstieg abzuschließen. Mit einem feinen Ostermenü am Abend fand die Zeit im Matschertal mit diesem Tag ihr großartiges Ende.

Bei der Heimfahrt am folgenden Tag statteten wir dem Rojental am Reschenpass nochmals einen Besuch ab und fanden in der Elferspitze ein kleines lohnendes Ziel. Auf dem Gipfel konnten wir nochmals unsere Ziele der letzten Tage begutachten und die Skitouren Revue passieren lassen. Äußerst zufrieden fuhren wir dann zunächst direkt in Richtung Reschensee und zum Schluss auf den Pisten der Schönebenlifte ab. Die Frage taucht trotzdem auf: waren dies die letzten Skitouren dieses Winters? Richtig wäre es, denn: wenn’s am schönsten ist, sollte man aufhören!

Alois Herzig

 


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