Trotz des miserablen Wetters und des langen Aufstiegs folgten viele der Einladung, sodass die Hütte fast voll belegt war. Auf der Hütte angekommen, konnten sich alle im Trockenen aufwärmen und untereinander ins Gespräch kommen. Vor dem Abendessen begrüßte Sebastian Stoib die Gäste herzlich und blickte in einer kurzen Rede zurück auf 125 Jahre Geschichte der Gleiwitzer Hütte. Wie der Name besagt, wurde die Hütte von bergbegeisterten Bewohnern der Stadt Gleiwitz (heute Polen) erbaut. Ausschlaggebend für den Standort in der Glocknergruppe in den Hohen Tauern war die Zuganbindung, denn um 1900 gab es damals ja noch keine Autos. Durch den zweiten Weltkrieg war eine Betreuung der Gleiwitzer Hütte durch die Sektion Gleiwitz nicht mehr möglich. 1967 erfolgte die Gründung Sektion Tittmoning, die sich als damalige Ortsgruppe der Sektion Laufen abspalten und eigenständig werden musste, um die Hütte zu erwerben. Mit dem Grundbucheintrag in 1973 wurde die Sektion Tittmoning nunmehr alleiniger Besitzer der Hütte.
Stoib berichtete von der aufwendigen Wartung und Erhaltung der Hütte: In den letzten Jahren wurden immer wieder bautechnische Maßnahmen notwendig, die ohne die finanzielle und tatkräftige Unterstützung der Patensektionen nicht möglich wäre. Auch das 31 Kilometer Wegenetz wird jährlich durch die Unterstützung der Patensektionen in Stand gehalten. Abschließend dankte Sebastian Stoib der Hüttenwirtin Antje und ihrem Team für ihre unermüdliche Arbeit, das leckere Essen, die gute Organisation und den herzlichen Empfang.
Anschließend gratulierte ein Vertreter der Sektion Trostberg zum Jubiläum und überreichte ein kleines Präsent. Nach der Vorspeise richtete der Hüttenwart Michael Reiter-Haringer das Wort an die Gäste. Mit lustigen Anekdoten beschrieb er seine Erlebnisse auf der Gleiwitzer Hütte. Schon als kleines Kind durfte er die Hütte kennen lernen und ist ihr seither verbunden. Seit einigen Jahren kümmert er sich nun um die technischen Belange der Hütte, die sehr vielfältig sind und handwerkliches Geschick erfordern. Er resümierte, dass durch die Baumaßnahmen der letzten Jahre (neues Dach, PV-Anlage, neue Fenster, neue Kläranlage) die Hütte aktuell in einem sehr guten Zustand dasteht.
Hüttenwirtin Antje Böttcher freute sich über das zahlreiche Erscheinen der Gäste trotz des bescheidenen Wetters. Interessiert an der Geschichte der Gleiwitzer Hütte, berichtete sie, dass sie sich für einen Tag im Archiv von Bruck eingeschlossen habe, um Nachforschungen zur Hütte zu machen. Dabei stieß sie auf einen Bericht vom Februar 1898, den sie der Festgesellschaft vorlas. Um Spendengelder für den Bau der Gleiwitzer Hütte zu bekommen, veranstalteten die bergbegeisterten Gleiwitzer im Februar ein „Sommerfest in den Bergen“. In einem Hotel in Gleiwitz wurde im Winter eine komplette
Sommerberglandschaft nachgebaut, mit Bergsee, Schneefeld, Kletterwand, Bergumrisse, darunter der Hohe Tenn, usw. Der Bericht war sehr lebhaft und für die Zeit damals schwer vorstellbar. Doch durch diese Spendengelder konnte der Grundstein für die heutige Hütte gelegt werden. Daran anknüpfend meinte Antje, dass jede Geschichte ein Ende hat und auch ihre Geschichte auf der Gleiwitzer Hütte nach neun Sommern ein Ende habe und es ihr letzter Sommer auf der Hütte sei. Dies wurde von den Anwesenden mit Bedauern aufgenommen und dennoch wurde ihr großer Respekt gezollt, da die Bewirtschaftung einer Hütte im Nationalpark auf 2100 Meter eine große Herausforderung ist.
Mit Musik und netten Gesprächen verging der Abend sehr schnell.
Am nächsten Morgen fand nach dem Frühstück noch der traditionelle Berggottesdienst statt. Da das Wetter sich nicht besserte, wurde er in der Stube abgehalten. Wortgottesdienstleiter Ludwig Hinteregger wählte passende Texte und Lieder und gemeinsam dankten wir Gott für die 125 Jahre Gleiwitzer Hütte.
Nach einem gemeinsamen Gruppenbild verabschiedeten sich nach und nach die Gäste und stiegen wieder ab zurück ins Tal.
Bericht: Lisa Zöbl