Tag 2: Von der Chamanna Jenatsch bis zur Chamanna d‘EsCha
Am nächsten Morgen folgte zuerst eine anspruchsvolle Querung der steilen Hänge des Piz Jenatsch mit Aufstieg zur Furcola Laviner. Hier beginnt bereits die abwechslungsreiche Abfahrt durch das großartige Val Mulix mit seinen breiten Hängen und mehreren steilen Engstellen, die es zu überwinden galt. Volle Konzentration verlangte dann auch der schmale Wanderweg hinunter zur Alp Mulix, der mit seiner harten Schneeauflage einer Bobbahn glich, auf der man immer schneller wurde. So erreichten wir in rasanter Abfahrt das Almdorf Naz und nach einem kurzen Aufstieg treffen wir in Preda mit zwei weiteren Gruppenmitgliedern zusammen. Mit der Räthischen Bahn geht es dann durch den Albulatunnel weiter nach Madulein (1697m), wo der Aufstieg zur Chamanna d’EsCha (2594m) folgte. Ein schöner, alter, von Zirben gesäumter Alpweg führte vorbei an der Alp Es-cha Dadour , ins Val d’Es-cha und ins Val Müra. Durch eine Talmulde bis zur Bachgabelung und linkshaltend zur Hütte.
Die Hütte empängt uns mit Sonnenschein, das erste gemeinsame Bier wird draussen auf der Mauer vor der Hütte getrunken, mit direktem Blick auf den Piz Bernina und das imposante Gipfelpanorama der umliegenden Bergmassive.
Zum “Nachtessen” auf der Hütte gibt es- das gehört bei der Graubündner HauteRoute ja mindestens einmal dazu- echte Älplermagronen, die wir uns nach ca. 1.350 Hm Anstieg redlich verdient hatten.
Tag 3: Von der Chamanna D’EsCha über di Porta EsCha zur Chamanna Kesch mit Aufstieg zum Piz Kesch (2594m) über di Porta EsCha (3007m), PizKesch Skidepot (ca 3270m), Aufstieg zum Piz Kesch ((3418m), Abfahrt zur Chamanna Kesch (2625m).
Von der Chamanna d’Es-cha folgten wir dem nach NW aufsteigenden Moränenrücken bis unmittelbar unter die Porta d’Es-cha. Der letzte, steile Aufstieg zur 3.007 m hohen Scharte ist gut mit Ketten versichert; wir gehen mit Steigeisen, die Ski müssen getragen werden. Der Abstieg von der Porta führte steil hinab in eine Mulde und dann über den Vadret da Porcabella hinauf zum Fuß der Gipfelfelsen, wo wir unser Skidepot auf ca. 3270m einrichten. Es folgte ein anspruchsvoller Anstieg auf einem guten eingetretenen Schneepfad mit Steigeisen, Pickel und Seilsicherung an den schwierigsten Stellen zum mit 3.418 m höchsten Gipfel der Albulaberge, dem mächtigen Piz Kesch, der aufgrund seiner zentralen Lage beeindruckende Ausblicke in die Bernina und zum Ortler ermöglichte. Der großen Freude über das Erreichen des höchsten Gipfels der Albulaberge und gleichzeitig der gesamten Skidurchquerung mischte sich die Anspannung, den Abstieg wieder gut und sicher zu bewältigen.
Es folgte eine perfekte Pulverschneeabfahrt zuerst entlang der Aufstiegsroute, wo kurz unterhalb der Porta d’Es-cha, der Richtungswechsel nach Westen hinab zur Kesch Hütte erfolgte, die man von weitem sieht; die letzten Höhenmeter zur Hütte steigen wir mit Fellen auf, die wir nach 1.140 Hm und 15,2 km glücklich und zufrieden erreichten.
Tag 4: Von der Keschhütte über das Scalettahorn zur Grialetschhütte
Von der Keschhütte Abfahrt durch das Val Tschüvel und Val Funtauna zur Alp Funtauna (2192m). Nun nach Norden dem Bachlauf entlang zum Scalettapass. Hier wenden wir uns über einen steilen Moränenhang , dann auf ein Plateu und kurzer knackiger Aufstieg mit Steigeisen – die Ski müssen getragen werden- vom Norden her auf das Scalettahorn; dort oben genießen wir eine sonnige Gipfelbrotzeit, gegenüber in Blickrichtung sehen wir schon das nächste Ziel, die Furcola Vallorgia.
Vom Scalettahorn ging es erst steil, dann flacher runter in eine Talsenke, wo wir wieder auffellen und hoch zur Furcola Vallorgia aufstiegen. Nach ein paar Meter über apere Stellen, konnten wir die ersten 3 Schwünge steil abfahren und dann etwas gemütlicher in eine breite Abfahrt zur Grialteschhütte – zuletzt an der Hütte vorbei mit einer Extra-Powder-Abfahrt für die Skihungrigen (ca + 100hm), insgesamt waren es dann 1.260 Hm und 19,9 km. Mit der langen Abfahrt ins Val Funtauna und der sehr interessanten Überschreitung des Scalettahorns hatte die vierte Etappe wiederallerhand zu bieten.
Tag 5 Von der Grialetsch Hütte (2452m) über die Furcola Sarsura (2921m) und Abfahrt nach Zernez
Von der Grialetsch-Hütte folgten zum „Warmwerden“ erst ein paar Extra-hm für eine morgendliche Powder-Abfahrt, die wir am Vortag schon getestet hatten. Jetzt folgte ein mit 553 Hm langer Anstieg durch das Val Grialetsch hinauf zur Fuorcla Sarsura. Wir gehen aber nicht direkt quer rüber sondern fahren rein in unverspurten Powder-Schnee , und ziehen unsere Schwünge ca. 250hm in die flache Mulde des Val Sarsura. Dort nochmals Auffellen und Anstieg zur Scharte mit Brotzeit und über den imposanten Nordostgrat zum 3.178 m hohen Piz Sarsura.
Dann folgte eine Abfahrt durch erst sehr gute, später zunehmend anspruchsvollere Schneeverhältnisse, schließlich sehr kupiertes Gelände mit “Wegerln”, die uns Konzentration abverlangen. Schließlich erreichen wir über eine noch größtenteils Schnee- bzw. eisbedeckte Forststrasse nach Überquerung der Bahnstrecke die Straße zwischen Susch u Zernez; von hier legten wir bei frühlingshaften Temperaturen zu Fuß die letzten ca. 3 km auf dem Wanderweg mit Ski am Rucksack zurück voller Glücksgefühle, dass wir alle gesund und munter die Bündner Haute Route erleben durften und gemeistert haben.
Fazit: Ein unvergessliches Erlebnis! Fünf Tage am Stück Kaiserwetter, trotz dem insgesamt schneearmen Winter ausreichend Schnee, und zum Teil sogar noch echte „Powder-Schmankerl“. Die Gruppe hat toll zusammengehalten, jeder hat auf jeden geschaut, jeder hat mitgeholfen, gutes Essen auf den Hütten, und gemütliche und fröhliche Abende. Ein besonderes Dankeschön an den Tourguide Franz Röckenwagner, der uns als Gruppe mit gewohnt vorausschauendem Blick sicher geführt hat und dafür gesorgt hat, dass jeder einzelne Tag ganz besondere Natur- , Technik- und Skierlebnisse geboten hat.
Bericht: Julia Zange
Fotos von den Teilnehmern
Bündner Haute Route: 28.Februar bis 4. März 2025
Geführt durch Franz Röckenwagner / 9 Teilnehmer