© DAV Tittmoning
© DAV Tittmoning

Schweiffahrt zum Glockner

28.06.2025

Einmal Großglockner „von dahoam“ und zurück, Aufgrund von Terminschwierigkeiten wegen der Landratswahl am Sonntag fand die diesjährige „Schweiffahrt“ in einem etwas anderen Rahmen statt. Diesmal ging es „nur“ hin und zurück an einem Tag.

Wie gewohnt mit Start in der Nacht, diesmal mit der Besonderheit einer Bergankunft als Ziel. AmSamstagmorgen um vier Uhr trafen sich fünf Bergbeisser und erfreulicherweise auch drei Bergbeisserinnen am für alle Teilnehmer zentralen Startpunkt Siegsdorf. Ziel war die Großglockner Hochalpenstraße, aber nicht, was so viele kennen das Fuscher Törl oder die Edelweißspitze – nein für eine Schweiffahrt darf es schon die Franz-Josefs-Höhe sein! Wegen der „Ewigkeitsbaustelle“ amWeinkaser verlängerte sich die Fahrt zusätzlich zur Standardstrecke.

Über Bad Reichenhall fuhren wir am Saalachsee vorbei in die Morgendämmerung, allerdings verwehrten dann dichte Wolken den Sonnenaufgang. Möglichst die Hauptstraßen vermeidend ging es über Lofer und Saalfelden in knapp 4 h etwa 100 km zur ersten Stärkung in Bruck. Dort erwartete uns Manfred mit dem Begleit- und Verpflegungsfahrzeug, der beim dortigen Bäcker schon Butterbrezen organisiert hatte. Sogar die Morgensonne kam heraus und wir genossen dazu Erikas Kaffee, Kuchen vom Hannes, Wurstsalat vom Franz und Astrids Tortellinisalat. Auf so einer langen Strecke ist ein Verpflegungsfahrzeug mit den unterschiedlichen Köstlichkeiten Gold wert, da braucht man gar keine Sterneköche an der Strecke um das Angebot in vollen Zügen zu genießen. Zusätzlich hat das Fahrzeug ein breites Angebot an Getränken dabei und dient als Kleidungsdepot.

Als gefühlt 100 holländische Rennradler im grünen Dress an uns vorbeirauschten erkannten wir den Ernst der Lage: Wer zu viele Köstlichkeiten dabei hat, genießt zu lange und kommt nicht vom Fleck. Also schnell auf die Sättel und hinterher, die etwa 1700 Höhenmeter die Glocknerstraße zum Fuscher Törl, 2430 m, hinauf. Die Auffahrt zum Törl musste außer mit anderen Radlern auch mit Oldtimerralleys, Motorrädern und Möchtegern Rennautos geteilt werden. Nicht immer angenehm. Die langen Anstiege fuhren wir nicht in der Gruppe, sondern jeder in seinem Tempo. Das zahlt sich am Ende der Tour aus, weil dann auch die nicht ganz so starken noch Kraft haben, wenn sie sich am Berg nicht übernehmen. Immer wieder konnte einer der grün gekleideten Rennradler überholt

werden, nur um bald danach den Nächsten als Ansporn vor sich zu sehen. Nach ca. zwei Stunden war der erste Bergbeisser oben. Statt des angesagten Sonnenscheins herrschte dort aber kalter Wind undNebel, drum nahm er noch die Edelweißspitze, 2572 m, mit um nicht zu lange in der Kälte zu frieren.Beim Verpflegungsauto trafen dann alle nach insgesamt ca. 7 h wieder zusammen. Margit und Irmi trafen nun auch zu uns, sie waren von Bruck aus vor uns losgeradelt Trotz des, nun mit Gi und ErikasKartoffelsalat, Waltrauds Kuchen, alkoholfreiem Bier u. v. m. ergänzten, kulinarischen Angebots, war

die Stimmung ob des Wetters stark gedämpft und ein Konsens schien sich auszubreiten nicht mehr die durchaus erheblichen Höhenmeter bis zur Franz Josefs Höhe anzupacken, sondern gleich dieRückfahrt anzutreten.

Nachdem Norbert und Gi sich entschlossen hatten notfalls ohne Versorgungsfahrzeug weiter zuradeln, kam Astrid auch noch dazu und plötzlich wollte keiner mehr umdrehen. BergbeiserInnenlassen sich nicht so leicht unterkriegen! Nur Hannes hatte im Vorfeld schon angekündigt mit Margit zurückzufahren und blieb dabei. Für die restlichen sieben gab es nun eine kurze kalte und rasante Abfahrt und den Gegenanstieg zum Hochtor auf 2576 m, bei dem wir kaum wieder warm wurden.

Zusätzlich teilten wir uns diesen Bereich auch noch mit vielen Pilgern, Ordnungskräften und Bussen, die auf der Straße von Ferleiten nach Heiligenblut wallfahrten. Nach dem Hochtor strahlte uns dann die Sonne ins Gesicht und die Abfahrt zur Abzweigung Franz-Josefs-Höhe war purer Genuss. Heißt natürlich auch, dass es nach der Abfahrt wieder hinauf geht, zusammen mit einem mittlerweile ausgedünnten Feld der holländischen Radler und einigen Sportwagenfahrern, die die Glocknerstraße teilweise mit einer Rennstrecke verwechselten. Aber auch dieser Anstieg wurde von allen ohne

größere Probleme bewältigt. Beim grandiosen Glockneranblick war nun jeder froh über seine Entscheidung doch weiter zu radeln! Wir stärkten uns noch einmal ausgiebig am Begleitfahrzeug um dann, nach ca. 10 Stunden seit Start die Heimreise anzutreten. Die folgenden Pausen wurden dann, wegen der fortgeschrittenen Zeit auch etwas kürzer gehalten. Nach der ersten Abfahrt mussten wir nun wieder die zwei Anstiege zum Hochtor und zum Fuscher Törl hinauf. Wohl jeder merkte nun die zurückgelegten Kilometer und Höhenmeter in den Beinen und jeder für sich kämpfte sich diese Anstiege empor. Endlich war das Fuscher Törl erreicht, das Wetter aber noch nicht wirklich viel besser. So ging es, diesmal ohne großen Aufenthalt hinab. Die nicht endende Abfahrt auf guter Teerstraße entschädigte uns für die Mühen der Anstiege. Bei nun wenig Verkehr mussten auch nur

wenige Autos überholt werden um puren Abfahrtsgenuss zu erleben. Erfreulich locker lief dann die Rückfahrt über Saalfelden durchs Wildental bis Lofer, bei moderater Geschwindigkeit fast wie von selber. Das Begleitfahrzeug musste fast nicht mehr in Anspruch genommen werden. Auch weder der Steinpass noch die Auffahrt nach dem Thumsee stellten für uns Glockner Erprobte nochnennenswerte Probleme, obwohl es schon zacher wurde. Nach Inzell fuhren wir in den Sonnenuntergang und erreichten nach ca. 17 Stunden alle wohlbehalten und ohne technische Defekte den Ausgangspunkt in Siegsdorf. Insgesamt standen dann 300 km und 5000 Hm auf den Tachos, eine starke Leistung zur großen Zufriedenheit aller.

Ein großer Dank an Manfred, für die wie immer perfekte Unterstützung mit dem Begleitfahrzeug, Franz für die Organisation und die Ausarbeitung der Strecke und an alle Teilnehmer die immer guter Dinge perfekt zusammengearbeitet haben um allen dieses großartige Erlebnis zu ermöglichen.

Gi