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Skitouren im Friaul

Ski, Secco & Slowenienblick

25.02.2025

Skitouren im Friaul Zwischen Gipfelarena und Genuss: Eine Gruppe Tittmoninger Tourengeher erlebt im Kanaltal sportliche Aufstiege, historische Grenzblicke und kulinarische Entdeckungen. Vom Sella Nevea bis zum Monte Lussari – begleitet von Prosecco, Schinken und Kultur. Ein Friaul-Abenteuer mit Wiederkehr-Garantie.

Secco-Ski-Spaß – oder wie im Friaul Touren gegangen werden

Bei strömenden Regen starteten Mitte Februar ein Dutzend Tittmoninger Tourengeher ins Kanaltal, das die Karnischen von den Julischen Alpen und den Karawanken trennt. Wissend um die Schneelage im Dreiländereck Italien-Österreich-Slowenien haben wir uns auf der Sella Nevea verabredet, wo zur Not auch eine Aufstiegshilfe in den Schnee bereitsteht.

Angesichts der braun-grünen Landschaft mit ein paar weißen Pistenschneisen wurde uns beim ersten Cappu mit Cornetto schnell klar, dass wir uns erst einmal in den Schnee gondeln lassen wollten. Nach kurzer Abfahrt von der Bergstation ging es zügig auf den Sella Bila Pic, der uns mit seiner verfallenen Kasematte gemahnte, wo wir unterwegs sind. Das italienisch-slowenische Grenzgebiet war im Ersten Weltkrieg stark umkämpft.

Nach einer kurzen, aber knackigen Abfahrt ging es über kuppiertes Gelände weiter Richtung Canin. Angesichts seiner steilabfallenden Nordwestwände machten wir auf 2.400m Halt und fuhren mit staubenden Schwüngen zu einem sonnigen Pausenplatz, an dem wir uns für den Gegenanstieg stärkten. Mit kollektivem Ski-Yoga kehrten wir auf den Sella Bila Pic zurück, von dem wir in das Rifiugio Celso Gilberti eilten. Nach dem gemütlichen Zwischenstopp kehrte die Gruppe wohlbehalten über die Piste zum Parkplatz zurück.

Wir wären nicht im Friaul gewesen, wenn wir die tolle Tour nicht mit einem Prosecco begossen hätten. Für kleines Geld bot der uns schon bekannte Kurvenwirt ein so geschmackiges Getränk, dass wir es mehrfach verkosten mussten. Wir kamen wieder.

Über Nacht schwappten aber erst einmal die Regenwolken über die Alpen, so dass sich für den zweiten Tag ein Alternativprogramm anbot. Schnell bildeten sich zwei Gruppen: Kultur und Kulinarik. Welche wohl mehr Anhänger fand? Die Kulinariker besuchten mit Ehren-Local Erik eine Käserei und eine Schinkenfabrik und sahen sich Venzone sowie San Daniele in Friuli an. Selbstverständlich wurden Secco, Schinken und andere Spezialitäten auch verkostet. Die Anderen folgten dem Fachmann für Vergangenes in den Palazzo Veneziano, der ein sehenswertes Museum zur Geschichte Malborghettos beherbergt.

Kulturell und kulinarisch gestärkt machten wir uns am 3. Tag wieder nach der Sella Nevea auf. Angesichts des Neuschnees und der gestiegenen Lawinengefahr zogen wir unsere Spuren südseitig zum Montasio, einem herrlichen Almengebiet mit einer atemberaubenden Gipfel-Arena. Hangrichtungsbedingt wandten wir dem Foronon del Buinz zu, dem wir uns über sein steiles südwestseitiges Kar näherten. Auf 2.100m war Schluss. Über herrliche Hänge fuhren wir direkt zur Sonnenterrasse des Rifugio Giacomo di Brazza, auf der wir den Traumtag ausklingen ließen. Immer die gegenüber liegenden Ziele des nächsten Tages im Blick.  

Mit der Seilbahn kehrten wir ins Canin-Gebiet zurück, wandten uns aber dem Preval-Sattel zu. Von der slowenischen Seite eröffnete sich bei der Rast ein wunderbarer Fernblick bis zur Adria. Zurück ging’s über die Piste zum Ausgangspunkt, wo ein zweiter Anstieg Richtung Monte Ursic lockte. Mit Abständen wagten wir uns in die erste Rinne, die sich so aufsteilte, dass wir unsere Ski schultern mussten. Nach wenigen Metern ging’s erst gemütlich, dann stetig ansteigend weiter, bis der nächste Aufschwung kam, der mit Harscheisen gut zu meistern war. Nach dem letzten Spitzkehren gönnten wir uns auf einer Bären-Schulter eine Pause, bevor’s in wilder Fahrt über steile und weniger steile, pulvrige und weniger pulvrige Passagen zurück ins Skigebiet ging.

Der letzte Tag führte uns fast schon traditionell auf den Monte Lussari, der uns wieder die kalte Schulter zeigte. Angesichts der wenig einladenden Bedingungen verzichteten wir auf den Weiterweg zum Cacciatore. Stattdessen statteten wir der berühmten Wallfahrtskirche einen Besuch ab und kehrten in einen Berggasthof ein. Bei Bier und Brotzeit wurde uns klar, dass wir wieder kommen müssen. Wegen dem Cacciatore, der Kultur und Kulinarik. Die Kombination macht das Tourengehen im Friaul aus. Herzlichen Dank an Erik Herold und Peter Schauer für die unvergesslichen Tage.

Bericht: Claus Schäfer

Fotos: Teilnehmer