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Tschechienrunde

11.07.2025

Ist Tschechien eine Radreise wert?

Diese Frage stellen wir 8 Bergbeisser der DAV Sektion Tittmoning am Samstag den 5.7.25. In Haunzenberg befreien wir die Räder aus den Autos und treten sogleich in die Pedale Richtung Österreich. Schon sind wir in den ersten Wäldern, die bei der Hitze angenehme Temperaturen bieten. Ab Aigen im Mühlkreis drücken wir in die Pedale, um nach Diendorf auf die Böhmerwald Landstrasse zu kommen. Bald ist der Anstieg zum Grenzübergang Aigen-Schlegel geschafft und wir donnern schnell auf der schmalen Strasse nach Tschechien zum Moldaustausee. Bei dieser Hitze ist die Mittagspause am See willkommen. Die weitere Route führt uns durch den Böhmer Wald mit seien klaren Seen, Hochmooren und dichten Wäldern. Dieser Naturgenuss ist genau das Richtige für uns. Kurz vor dem Tagesziel lockt ein Gastgarten, in dem wir dem Körper mit kühlen Getränken die notwendigen Mineralien zuführen. Die Gruppe scheint ziemlich unterhopft zu sein.

Die 2. Etappe führt uns entlang des ehemaligen eisernen Vorhangs. Teilweise sind die Relikte dieser Zeit als Denkmäler zu sehen. Wir erfreuen uns der Freiheit in Europa grenzenlos radeln zu können und genießen den frischen Morgen, der schon bald in einen weiteren heißen Tag übergeht. Die Tour führt vorbei an einigen Burgen der Habsburger. Nach dem Tod des böhmischen König Ludwig II. in der Schlacht bei Mohacs (1525) fiel die Böhmische Krone an Ferdinand I von Habsburg. Damit begann einen 400-jährige Habsburgerherrschaft in den böhmischen Ländern.

Für den 3. Tag der Tour kündigt sich starker Regen am Mittag an. Wir starten daher um 5.30 Uhr und werden Teil der Rushhour. Nach einiger Zeit biegt unser Track in eine verkehrsberuhigte Strecke ab. Der Plan ersetzt den Zufall durch den Irrtum meinte schon Einstein, so hätte uns ein späterer Start vor den Regen bewahrt. Mittlerweile sind wir tief nach Tschechien geradelt, die Landschaft ist nicht mehr so bewaldet und gibt teilweise weite Blicke über Korn- und Mohnfelder frei. Nähe Königgrätz checken wir in die schönen Zimmer eines Bauernhofs ein.

Wohl dem der bei der 4. Folge der Tschechientour Fahrdienst hat. Ströme von kühlem Nass ergießen sich von oben und unten (Spritzwasser) über die Gruppe. Hier zeigen sich die verschiedensten Techniken der Wasserabwehr. Manche wickeln sich Plastiktüten über die Schuhe, andere über den Helm. Andere wiederum fahren mit Spülhandschuhen. Der Effekt ist bei allen gleich – nass bis auf die Haut. Wir sehen uns nach der Hitze der ersten Tage. Dennoch kommen wir zufrieden am Brauereihotel in Mnichovo Hradiste an. Dort können wir im warmen Whirlpool regenerieren und das gute Abendessen im Felsenkeller genießen.

Schon wieder stehen dunkle Wolken beim Start über uns. Deren Inhalt bleibt jedoch am HImmel. Dafür bläst uns eine steife Briese ins Gesicht. Die Temperaturen haben sich in den letzten Tagen auf 15 – 20 Grad abgekühlt. Nach einer Kurve biegen wir auf das ca. 4 km lange Rollfeld eines aufgelassenen Militärflughafens ab. Die zugehörigen Flugzeugbunker sind zugewachsen. Im Anschluss zieht sich die Strecke über Hügel und Felder. Die Beine müssen in die Pedale hämmern, um die letzte große Steigung vor der Mittagspause zu meistern. Die Plackerei wird mit einer rasanten Abfahrt auf neuem Teer belohnt. Ein Lustschloss ist der richtige Ort für die fürstliche Mittagspause im Garten. Die Lasagne bringt die Energie für den Rest der Etappe.

Am 6. Tag steht der Wettergott zunächst auf unserer Seite, der starke Rückenwind schiebt die Räder schnell nach Pilsen. Die Sonne lacht zwischen den Wolken durch. So macht die Tour noch mehr Spaß. In Pilsen besichtigen wir den Stadtkern mit der Bartholomäus-Kathedrale, die im 16 Jh fertig gestellt wurde. Ein kurzer Blick auf das Gelände der Brauerei des Pilsener Urquells darf natürlich nicht fehlen. Bei der Mittagspause zeigt sich der Teamgeist, da bei einem Pizzastand irgendwo in der Pampa keine Scheckkarten und Euro akzeptiert werden. Es werden alle Kronen in 2 Pizzen und 3 Cola für 7 Leute investiert. Das Tagesziel die Angus-Farm gleicht das spärliche Mittagsmahl mehr als aus.

Das Finale führt uns über den Nationalpark Bayrischer Wald. Es sind nochmal 2500 hm zu absolvieren. In Haunzenberg liegt eine außergewöhnliche Tour von 1005 km und 13650 hm hinter uns. Im Laufe der folgenden Tage müssen die Eindrücke erst mal verarbeitet werden. Die perfekte Organisation durch Hannes und der gute Teamspirit hat uns Tschechien sehr intensiv erleben lassen. Der liquid Sunshine ist getrocknet und fast vergessen. Es war eine Reise die uns noch lange in Erinnerung bleiben wird.

Bericht: Norbert Knuhr

Fotos: Teilnehmer