Vor den Geislerspitzen | © DAV Tittmoning / Kurt Stemmer

„Glück am Berg“ in Südtirol

AV Tittmoning im Naturpark Puez-Giesler

02.09.2026

Sechs Tage in Südtirol, im spektakulären Gebiet der „Geisler“, verbrachten 17 Bergsteiger des Alpenvereins Tittmoning. Höhepunkt waren die Besteigungen des Sas Rigais mit 3.025 Metern Höhe und des mächtigen Klotzes des Sassongher in der Puezgruppe. Die Bergbegeisterten erlebten wunderbare Sonnentage und wurden einmal richtig nass.

Der Wetterbericht versprach nichts Gutes für die anstehenden Tage, aber die Plätze in den beiden Hütten in der Geislergruppe und dem Puezgebiet waren schon vor Monaten gebucht. Ein Zurück gab es nicht für die 17 Teilnehmer der Bergwanderwoche des Tittmoninger Alpenvereins. Nach dem Motto „Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung“ fuhren die Bergfreunde mit viel Optimismus über den Brenner ins Grödnertal und dort bis nach Wolkenstein. Gäste aus Winhöring, Laufen und dem Wolfratshauser Gebiet schlossen sich den Tittmoningern an nachdem sich herumgesprochen hatte, wie erlebnisreich die traditionellen Bergwochen bisher waren.

 

Bei heiterem Wetter ging es in einer guten Stunde zu Juac-Hütte, die sich auf knapp 2000 Metern Höhe in aussichtsreicher Lage, gegenüber des Langkofels befindet. Für drei Nächte war die kleine aber sehr feine, privat betriebene Berghütte Refugium und Ausgangspunkt der Wanderer. Nach kurzer Rast und dem Bezug der Bettenlager nutzten die Bergbegeisterten das schöne Wetter für einen Besuch der Stevia-Hütte, die sie über steile Wege in einer langen Rinne und der Überschreitung der schmalen Silvester-Scharte erreichten. Bei Kaffee und Kuchen boten sich den Wanderern auf der Hüttenterrasse die „Crème de la Crème“ der Dolomitenberge dar: Monte Pelmo, die Gruppe um den Monte Civetta und, im Panoramaformat, der gesamte Sella-Stock, dahinter konnte man die „Königin der Dolomiten“, die Marmolada, erahnen konnte.

Für den nächsten Tag war Regen angekündigt. Das dreiköpfige Führungsteam entschied sich für die leichte Wanderung auf die Seceda, dem phantastischen Aussichtsberg über dem Grödnertal, von dem aus man den Schlern und das Gebiet des Rosengartens hätte bewundern können, wäre da nicht das Regenwetter gewesen. Das nutzte die Gruppe, bereits kräftig durchnässt, in einer heimeligen Berghütte um beim ersten Glühwein des Jahres und starkem Jagertee ausgiebig Rast zu machen.

Auch für den dritten Tag hatte der Wettergott kein Erbarmen mit den Bergsteigern. Tiefe Wolken lagen im Grödnertal und zogen um die Dolomitenberge und für den Nachmittag prognostizierte der Wetterbericht kräftigen Regengüsse. Die drei Tourenguides, Sigi, Kurt und Berni, legten die Wasserscharte als Tagesziel fest. Für eine schnelle Gruppe, hatte man vor die „Odla de Valdusa“, ein Berg mit 2942 Metern Höhe, zu besteigen. Bis spätestens um 15 Uhr sollten alle wieder auf der Juac-Hütte sein, da zu dieser Zeit der Regen einsetzen sollte. Beide Gruppen erreichten ihre Bergziele problemlos im Trockenen, auch wenn der Nebel manchmal die Sicht erheblich erschwerte. Kurz bevor der Himmel sämtliche Schleusen öffnete trafen alle zurück in der schützenden Hütte ein. Sibylle, eine Teilnehmerin meinte. „Schön, dass wir schon da sind, das hat von der Zeit her total gepasst.“ Die Juac-Hütte wurde als moderne, architektonisch interessante Unterkunft als Ersatzbau einer Alm in fantastischer Lage gebaut. Das familiär geführte Schutzhaus bot den Wanderern, die zwischen 47 und 83 Jahre alt waren, Gemütlichkeit, besten Service und hervorragendes Essen.

Der Hüttenwechsel zur Puezhütte im gleichnamigen Gebiet, stand an Tag vier an. Bei heiterem Wetter nutzte eine Gruppe die teilweise mit Drahtseilen versicherte „Forcella Forces de Sieles“ als Übergang zur italienischen Puezhütte. Auf fast 2500 Metern liegt sie in einer wahren Urlandschaft der Dolomiten. Die zweite Gruppe bezwang den höchsten Gipfel der Geislergruppe, den „Sas Rigais“ (3025 m), über einen Klettersteig, stieg über einen weiteren Kletterweg ab und folgte den anderen zur Puezhütte. Teilweise in Dreistock-Betten fanden die Tittmoninger dort Unterkunft. Sie fühlten sich dort, nach anfänglichem Trubel wegen der vielen Tagesgäste, letztendlich sehr wohl. Auch hier waren alle mit der Küche und der Gastfreundlichkeit des Wirtes sehr zufrieden.

Lutz, dem ältesten Teilnehmer zollte jeder Respekt wegen seiner Fitness und Sportlichkeit. „Man muss halt immer ein was bisschen machen, - etliche Male im Monat in die Berge und im Winter fast jede Woche eine Skitour“ schmunzelte er. Dabei hatte er in seiner Bescheidenheit nur am Rande erwähnt, dass er vor Kurzem mit seinen 83 Jahren einen Sprint-Triathlon absolvierte. Seit etwa 40 Jahre geht er mit den Tittmoningern in die Berge und schätzt die interessanten Tourenangebot der dortigen AV-Sektion.

Mit Yoga vor der Berghütte begann der vorletzte Tag der Bergreise. Bianca, die Teilnehmerin mit der größten Erfahrung in dieser Sportart, brachte die teilweise schon müden Glieder der Bergsteiger mit Dehn- und Streckübungen wieder in Form für das anstehende Ziel. Es ging den langen Weg zur „Forcella del Sassongher“. Von dort hatte man zum ersten Mal einen Blick auf das Tagesziel, den „Sassongher“, dessen Gipfel 2665 Meter über Normalnull misst. Wegen der furchteinflößenden Mächtigkeit des Bergstockes und der scheinbaren Unbezwingbarkeit des Klotzes mussten alle erstmal beklommen schlucken. „Wenn man den Weg von der Ferne sieht, meint man, das schafft man nicht“, meinte eine Bergsteigerin. Tourenführer Berni beruhigte mit dem Hinweis, dass jeder Berg in frontaler Betrachtung immer schwieriger aussieht: „Die vermuteten Routenschwierigkeiten werden sich schon auflösen“. Und so war es dann auch: in leichter Kletterei, unterstützt durch das eine oder andere angebrachte Drahtseil, stand die komplette Gruppe bei schönstem Sonnenschein gegen Mittag am höchsten Punkt. Die Aussicht war rundherum imposant und ergreifend. Mit „Berg heil“ und „Glück am Berg“ gratulierten sich die Bergsteiger und genossen ausgiebig ihre mitgebrachte Brotzeit.

Der „schnellen Gruppe“ war diese Besteigung, obwohl fordernd, zu wenig – sie besuchten noch die Gipfel des „Col dala Sone“ und des Puezkofels. Am Abend feierten die Bergbegeisterten ihre Erfolge und blickten auf die schönen Erlebnisse der letzten Tage zurück. Die Teilnehmerin Petra zog ein durchwegs positives Fazit der Bergreise: „Ohne die Gruppe kommt man oft nicht so weit, die Unterstützung in der Gruppe war sehr gut. Ich habe mich entspannt und glücklich gefühlt“. Tags darauf stiegen sie durch das Langental nach Wolkenstein im Grödnertal ab, wo die Fahrzeuge für die Heimreise bereitstanden.

Bericht: Kurt Stemmer

„Glück am Berg“ ist ein relativ neuer Bergsteiger-Gipfelgruß, der in zweierlei Hinsicht positiv das erfolgreiche Bergsteigen würdigt. Zum einen muss man realistischerweise das eine oder andere Mal wirklich Glück beim Bergsteigen haben, um ohne Verletzung und ohne Schaden vom Berg wieder herunterzukommen. Und zum anderen finden viele ein Glücksgefühl bei Wanderungen oder Bergtouren durch das Sich-Bewegen in der freien Natur, oder wenn sie den Kopf in den Bergen frei bekommen.