© DAV Tittmoning / Claudia Dandl

Klettersteige im Rosengarten

31.08.2026

Spektakuläre Klettersteige, aussichtsreiche Gipfel und echtes Dolomitenfeeling: Die Klettersteiggruppe der DAV-Sektion Tittmoning erkundete vier Tage lang den Rosengarten. Höhepunkte waren der Santnerpass-Klettersteig, die Besteigung des Kesselkogels und die beeindruckende Überschreitung des Molignonkamms. Ein Abenteuer, das allen Teilnehmern noch lange in Erinnerung bleiben wird.

Die Klettersteiggruppe mit 12 Teilnehmern fuhr dieses Jahr wieder in die Dolomiten, diesmal in den Rosengarten. Unser Startpunkt war am Nigerjoch, von wo wir zuerst auf die Kölner Hütte aufstiegen. Dort wurde dann gemeinsam beratschlagt, ob wir in den Santnerpass- Klettersteig einsteigen. Der Wetterbericht sagte Sturmböen bis Stärke 70 km/h voraus, was durchaus problematisch werden könnte.

 

Wir versuchten unser Glück. Ein Großteil des Steiges besteht aus ungesichertem alpinem Gelände im I. und II. Schwierigkeitsgrad, das absolute Schwindelfreiheit verlangt, im oberen Bereich gibt es dann Stahlseile und Klammern. Sehr beeindruckend verläuft der Steig mit großartigen Blicken auf die Vajolettürme, immer wieder werden gigantische Felsnadeln umklettert oder man muss sich durch enge Kamine zwängen (Bauch einziehen). In den steilen Rinnen fegte uns der Wind tatsächlich richtig um die Ohren, ein Steinschlag wurde dank des Helmes abgefangen und am Ausstieg war es fast zum Festhalten, abenteuerlich… aber doch – fasziniert ob der ungezähmten Naturgewalten – waren  alleglücklich über den gelungenen Start. Der Steig endete direkt an der Santnerpasshütte, dort war der Wind so extrem, dass man mit Flügeln sicher fliegen hätte können. Danach in kurzem bergab zur Gartlhütte, mit frischen Getränken und Brotzeit. Letztendlich noch ein knackiger Abstieg zu unserer ersten Übernachtung, in die Vajolethütte. Sie liegt im Herzen des Rosengartens und da es sich um eine Alpenvereinshütte handelt war es mit Abstand die Günstigste Unterkunft auf unserer Runde, und trotzdem bekommt man alles, was das Herz begehrt.

Am zweiten Tag starteten wir morgens direkt bergauf zur Grasleitenpasshütte. Geplant war die Überschreitung des Kesselkogels, der mit seinen 3004 m der höchste Gipfel des Rosengartens ist. Von weitem kann man schon ein Bändersystem erkennen und fragt sich trotzdem, wie es möglich sein kann, dort hinauf zu kommen. Wunderschön löst sich der Seig auf, tolle Kletterei im B-Bereich. Der Gipfelgrat ist ungesichert und exponiert. Wir staunten nicht schlecht über die tollen Wolkenstimmungen und die grandiose Rundumsicht. Abwärts gings in Richtung Antemoia-Hütte. Bis zum Wandfuß des Kesselkogels war wieder volle Konzentration gefragt, gesichert im griffigen Fels und mit toller Sicht auf den Antemoia See. Die Hütte war schon bei der Tourenplanung im Dezember belegt (durchaus ein Problem für die Tourenplanung mit AV Gruppen!) und so diente sie uns nur als gemütlicher Rastplatz. Weiter gings nochmals eine Stunde bergab zu einer kleinen, wildromantischen Hütte, dem Rifugio Dona mit nur 21 Betten. Klein und fein, Zimmer mit eigenem Klo und Dusche, leckeren Essen und morgens wurden wir sogar mit Kuchen überrascht. Die Hütte wird von einem jungen Paar betrieben, deren beiden Kinder richtig naturbelassen auf der Alm groß werden . Der Größere mit seinen 2 Jahren hatte bestimmt eine Textil-Allergie, wir sahen ihn nur nackig. Welch ein unglaubliches Glück mit dieser schönen Unterkunft.

Am dritten Tag stand die wahrscheinlich imposanteste, schwierigste und exponierteste Etappe unserer Runde auf dem Plan. Die Überschreitung des kompletten Molignonkammms, auch bekannt als Laurenzi- Klettertseig. Der Klettersteig ist für Dolomitenverhältnisse recht wenig begangen, ungefähr 7 km lang und beinhaltet sehr viele ungesicherte Passagen - also genau das, wonach wir suchten. Morgens starteten wir zuerst die ca. 500 hm bergauf zurück zur Originalroute. Vorbei am See und nach etwas Sucherei in losen Geröll, hatten wir endlich den Einstieg gefunden. Es ging anhaltend steil und mit einigen C/D Stellen bergauf zum höchsten Punkt der Tour, dem Molignon di Dentro auf 2852m. Nach kurzer Rast stiegen wir auf und ab, überklettern viele Türme und bewältigen extrem exponierte Stellen. Dann standen wir auf unserem letzten Gipfel, der Molignon di Fuori mit 2780 m. Statt eines Gipfelkreuzes gab es hier gemütliche Bänke zum Ratschen. Danach mit leichter A Kletterei hinab zu unserer letzten Übernachtungshütte, dem Tierser-Alpl auf 2440 m. Fast schon ein Luxushotel, aber halt auch Luxuspreise. Wir bekamen dafür 2x Gratisschnaps und Nachschlag, der fast mehr war, als die erste Portion. Lustig waren auch die vielen verschiedenen Personen dort, Chinesen mit Wimpernzangen in den Waschräumen, gefühlt die ganze Nacht Betrieb auf den Gängen, usw. Wieder zeigt sich: Der Rosengarten ist ein Magnet für Touristen aus der ganzen Welt.

Nach einem wunderschönen Sonnenaufgang am vierten Tag, war der Maximilianklettersteig unser Ziel. Er führte uns über den gesamten Rosszahnkamm zur Roterdspitze und bietet eine anspruchsvolle Gratüberschreitung mit toller Aussicht. Über die Rosszahnscharte gings gleich mal richtig steil bergauf zum Großen Rosszahn, wo ein uralter Pickel als Gipfelkreuz dient. Weiter gings luftig und ziemlich ausgesetzt den Kamm entlang, durch ein tolles Felsenfenster hindurch, mal gesichert, mal ungesichert zur Roterdspitze (2655m). Dann hinab den ziemlich langen Abstieg, zuerst Richtung Schlernmassiv, dann steil hinunter in die Bärenfalle (wir haben keine gesehen), und das ewige Tschamintal hinaus. Anfang August waren im gesamten Rosengartengebiet heftige Murenabgänge und viele Wege lange gesperrt. Wir mussten dann dort noch eine Umleitung in Kauf nehmen, mit einem „klitzekleinen“ Gegenanstieg. Zu guter Letzt ließen wir es uns an der Tschaminschweige vor der Heimfahrt noch richtig gut gehen, der Hannes hat uns noch ein Geburtstagseis spendiert, so erlebten wir 4 absolut traumhafte Tage.

Danke an Berni Lenz, Sigi Reuner und Lisa Heller für die tolle Führung, Hubert Kopp und Harry Heller für den souveränen Fahrservice und natürlich an alle Teilnehmer und Teilnehmerinnen!

Bericht: Claudia Dandl